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Immer für andere da sein? Wie Verlustangst dazu führt, dass du deine eigenen Bedürfnisse zurückstellst

17. Sept.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 17 Stunden

Ich glaube, eine der schwierigsten Dinge, wenn man mit Verlustangst zu tun hat, ist nicht unbedingt die Angst davor, dass ein Mensch tatsächlich gehen könnte. Es ist die ständige Beschäftigung damit, alles dafür zu tun, dass deine Beziehungsperson gar nicht erst auf die Idee kommt, gehen zu wollen.


So kann es sein, dass dein System darauf eingestellt ist, immer erstmal die Lage und Stimmung deines Gegenübers zu scannen. Du hast Antennen entwickelt, die sofort erkennen, wenn er oder sie gereizter, stiller oder einfach nicht so zugewandt ist.

Ist das der Fall, tendieren Menschen mit Verlustangst oft dazu, den Fehler bei sich zu suchen. Du fragst dich vielleicht:


Habe ich etwas falsch gemacht? Ist er oder sie sauer auf mich? Habe ich zu viel verlangt? War ich gestern zu anhänglich? Sollte ich mich jetzt lieber etwas zurückziehen?


Oder vielleicht genau das Gegenteil: Du versuchst besonders liebevoll zu sein, fragst nach, möchtest die Stimmung wieder verbessern und spürst dabei vielleicht schon dieses Bedürfnis, irgendwie dafür zu sorgen, dass zwischen euch wieder alles gut ist.


Du versuchst, Sicherheit herzustellen, indem du Harmonie sicherst.


Du passt dich an, überlegst dir genau, was du sagen könntest und was besser nicht, schluckst Dinge herunter, machst Kompromisse, obwohl du eigentlich gar keine machen möchtest, weil irgendwo in dir die Überzeugung entstanden ist: Wenn es zwischen uns gut ist, bin ich sicher. Und wenn es nicht gut ist, könnte ich dich verlieren.


Verlustangst und Harmonie: Wenn Harmonie wichtiger wird als du selbst

Dabei ist Harmonie natürlich etwas Schönes. Ich mag es auch, wenn Beziehungen leicht sind, wenn man miteinander lachen kann, wenn man sich versteht und nicht ständig kämpfen muss. Aber irgendwann habe ich verstanden, dass es einen ziemlich großen Unterschied gibt zwischen Harmonie, die aus Verbundenheit entsteht, und Harmonie, die ich herstellen muss, damit ich mich sicher fühle.


Denn wenn ich ständig darauf achte, dass es dem anderen gut geht, kann es passieren, dass ich mich selbst dabei immer weniger wahrnehme.


Unbewusst ist dein erster Gedanke dann: „Was braucht der oder die andere gerade von mir?“ und nicht: „Was möchte ich?“.


Du fragst dich nicht: „Ist das für mich eigentlich okay?“ Sondern:

„Wie könnte ich es so formulieren, dass er oder sie sich nicht angegriffen fühlt?“


Und irgendwann merkst du vielleicht, dass du zwar unglaublich viel über deine Beziehungsperson weißt – ihre Stimmung, ihre Bedürfnisse, ihre Grenzen, ihre möglichen Reaktionen –, aber gar nicht mehr so genau weißt, was eigentlich deine eigenen Bedürfnisse sind.


Vielleicht ist deine Verlustangst gar nicht nur die Angst, verlassen zu werden

Wenn ich über Verlustangst spreche, denken viele Menschen zuerst an Eifersucht, Klammern oder die Angst, dass der Partner eine andere Frau kennenlernen könnte.

Und natürlich können all diese Dinge dazugehören.

Aber manchmal zeigt sich Verlustangst viel leiser.

Sie zeigt sich darin, dass du dich ständig anpasst. Darin, dass du Konflikte vermeiden möchtest. Darin, dass du lieber einmal zu viel nachfragst, ob alles okay ist. Darin, dass du dich schlecht fühlst, wenn dein Partner wegen dir enttäuscht ist.

Darin, dass du Schwierigkeiten damit hast, ein klares Nein auszusprechen. Und vielleicht sogar darin, dass du deine eigenen Wünsche erst dann ernst nimmst, wenn du sicher bist, dass sie niemanden stören.


Was passiert, wenn ich anfange, mich selbst ernst zu nehmen?

Wenn du beginnst, dich selbst ernst zu nehmen, fühlt sich das am Anfang häufig überhaupt nicht nach Freiheit an.

Es kann sich egoistisch anfühlen. Rücksichtslos. Ungewohnt. Manchmal sogar falsch.

Dein System ist es gewohnt, die unangenehmen Gefühle eines anderen Menschen sofort wieder wegmachen zu wollen und du darfst jetzt einen neuen Weg lernen. Das kann erstmal unangenehm sein und sich unsicher anfühlen.


Ein anderer Mensch darf enttäuscht sein, ohne dass ich etwas reparieren muss.

Er/sie darf sauer sein.

Er/Sie darf mich nicht verstehen.

Er/Sie darf eine andere Meinung haben.

Er/Sie darf sagen, dass ihm meine Entscheidung nicht gefällt.

Und ich darf trotzdem bei mir bleiben.


Das bedeutet nicht, dass dir die Gefühle deiner Beziehungsperson egal sind.

Im Gegenteil. Du kannst sie ernst nehmen, ohne sie zu deinem Auftrag zu machen.

Du kannst sagen: „Ich verstehe, dass dich das enttäuscht. Und trotzdem möchte ich es so.“ Das ist für jemanden mit Verlustangst manchmal ein unglaublich großer Schritt.


Wie du beginnst, deinen eigenen Weg zu gehen

Fang klein an.

Wenn du merkst, dass du gerade etwas tun möchtest, nur damit jemand anderes nicht enttäuscht ist, kannst du einen Moment innehalten und dich fragen:


„Was würde ich jetzt tun, wenn ich keine Angst vor seiner Reaktion hätte?“


Wenn du merkst, dass du gerade wieder versuchst, die Stimmung eines anderen Menschen zu retten, kannst du dich fragen:


„Ist das wirklich meine Verantwortung?“


Wenn du merkst, dass du gerade Ja sagen möchtest, obwohl dein Inneres eigentlich Nein sagt, kannst du dich fragen:


„Was würde passieren, wenn ich diesmal ehrlich wäre?“


Verlustangst Coaching: Du darfst dich selbst genauso wichtig nehmen wie den Menschen, den du liebst.

Und manchmal ist die Antwort tatsächlich: „Ich möchte Ja sagen.“ Dann sag Ja.

Aber vielleicht ist die Antwort auch: „Eigentlich möchte ich das gar nicht.“ Dann darf dein Nein genauso wichtig sein. Denn es geht nicht darum, immer deinen Willen durchzusetzen. Es geht darum, dass du selbst überhaupt wieder in deinen Entscheidungen vorkommst.


Du darfst dich selbst mitlieben

Ich glaube, das ist eine der schönsten Veränderungen, die passieren können. Dass du irgendwann nicht mehr ständig darüber nachdenken musst:

„Wie kann ich dafür sorgen, dass du bleibst?“

Sondern dich anfängst zu fragen: „Wie möchte ich eigentlich leben, wer möchte ich dabei sein und wer soll an meiner Seite sein?“


Vielleicht bedeutet das manchmal, Kompromisse einzugehen.

Vielleicht bedeutet es manchmal, für eine Beziehung zu kämpfen.

Vielleicht bedeutet es manchmal, etwas auszuhalten, obwohl es unangenehm ist.

Und vielleicht bedeutet es manchmal auch, einen Menschen gehen zu lassen.


Aber der Unterschied ist: Du entscheidest nicht mehr aus der Angst heraus, du entscheidest aus der Verbindung mit dir. Denn eine wirklich sichere Beziehung entsteht dort, wo zwei Menschen sie selbst sein dürfen und trotzdem miteinander verbunden bleiben.


Du musst diesen Weg nicht allein gehen

Verlustangst zeigt sich bei jedem Menschen anders. Deshalb ist auch Veränderung immer ein individueller Weg.

In meinem Coaching beziehe ich die gedankliche, emotionale und körperliche Ebene mit ein, denn nachhaltige Veränderung entsteht oft dann, wenn wir den ganzen Menschen betrachten.

Wenn du dir dabei Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne auf deinem Weg zu mehr innerer Sicherheit.


Johanna


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