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Mutig sein trotz Angst: Wie kleine Schritte dein Selbstvertrauen stärken

vor 4 Tagen
7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Vor einiger Zeit habe ich mit meiner Freundin eine Mutwoche gemacht. Die Idee dahinter war eigentlich ganz einfach: Wir wollten Dinge tun, vor denen wir uns bisher gedrückt hatten. Dinge, bei denen wir gemerkt haben, dass da eine Hemmschwelle ist. Dass wir uns nicht so richtig trauen. Und dass wir es trotzdem gerne machen würden.

Also haben wir uns gegenseitig die Aufgabe gestellt, genau diese Dinge anzugehen und uns dazu verpflichtet, sie auch wirklich umzusetzen.


Was mich daran besonders beschäftigt hat, war die Erkenntnis, wie sehr Angst uns manchmal einschränkt. Wie oft wir etwas eigentlich gerne tun würden und es dann doch lassen. Wie oft wir uns zurückhalten, uns kleiner machen oder auf einen besseren Moment warten, weil wir uns noch nicht bereit fühlen.

Und es war nach der Woche sehr bereichernd zu erkennen, wie viel sich verändern kann, wenn wir anfangen, trotzdem kleine Schritte zu gehen.


Warum wir uns von unserer Angst so oft zurückhalten lassen

Vielleicht kommt dir das ja auch bekannt vor... Du möchtest einer Person etwas sagen, das dir schon länger auf dem Herzen liegt. Du möchtest eine Grenze setzen, obwohl du weißt, dass dein Gegenüber davon vielleicht nicht begeistert sein wird. Du möchtest dich beruflich verändern, etwas Neues ausprobieren oder endlich mit einem Projekt anfangen, das dir schon lange wichtig ist.


Und dann kommen die Gedanken.


Was, wenn es schiefgeht? Was, wenn ich mich blamiere? Was, wenn die andere Person enttäuscht von mir ist? Was, wenn ich etwas kaputt mache, das mir eigentlich wichtig ist?


Manchmal sind es nur kleine Zweifel, die uns kurz innehalten lassen. Manchmal werden daraus ganze Gedankenschleifen, in denen wir jede mögliche Reaktion durchspielen, bevor überhaupt etwas passiert ist. Wir überlegen, wägen ab, suchen nach Sicherheit und warten darauf, dass sich die Angst irgendwann auflöst.


Und während wir warten, passiert erst einmal gar nichts.


Das Schwierige daran ist, dass wir uns damit häufig genau die Erfahrungen nehmen, die uns helfen könnten, selbstsicherer zu werden. Denn wenn wir in der Situation verharren, erleben wir nicht, dass wir eine unangenehme Situation aushalten können. Wir erfahren nicht, dass jemand vielleicht ganz anders reagiert als erwartet. Und wir bekommen auch nicht die Gelegenheit, stolz auf uns zu sein, weil wir etwas getan haben, das uns Überwindung gekostet hat. Stattdessen bleibt die Angst bestehen. Und beim nächsten Mal fühlt sich die Hürde möglicherweise wieder genauso groß an.


Angst ist nicht gleich Angst

Dabei ist Angst erst einmal etwas sehr Sinnvolles. Sie soll uns schützen. Wenn wir eine Gefahr erkennen, hilft sie uns, vorsichtig zu sein, Abstand zu halten oder schnell zu reagieren.

Wenn du beispielsweise auf eine viel befahrene Straße zuläufst und ein Auto auf dich zurast, ist Angst eine ziemlich gute Sache. Sie hilft dir, nicht einfach weiterzugehen.

Diese Angst bezieht sich auf eine konkrete Gefahr im Hier und Jetzt. Unser Körper reagiert, damit wir uns schützen können.


Es gibt aber auch eine andere Form von Angst. Eine Angst, die entsteht, wenn wir uns vorstellen, was passieren könnte. Wenn wir mögliche Zukünfte durchspielen oder Erfahrungen aus der Vergangenheit auf die Gegenwart übertragen.

Natürlich können auch diese Ängste auf realen Erfahrungen beruhen. Wenn du schon einmal verletzt, verlassen oder zurückgewiesen wurdest, ist es verständlich, dass du dich vor ähnlichen Erfahrungen schützen möchtest.


Nur bedeutet das nicht automatisch, dass die Gefahr gerade tatsächlich besteht.

Vielleicht hat dein Partner heute wenig Zeit für dich und du merkst, wie du innerlich unruhig wirst. Er schreibt weniger als sonst, wirkt etwas distanziert oder möchte den Abend allein verbringen. Und plötzlich sind sie da: die Gedanken, dass etwas nicht stimmt, dass seine Gefühle sich verändert haben könnten oder dass du ihn verlieren wirst. Vielleicht fängst du an, seine Nachrichten zu analysieren. Du überlegst, ob du etwas Falsches gesagt hast. Du möchtest nachfragen, brauchst eine Bestätigung oder wirst vielleicht sogar vorwurfsvoll, weil du die Unsicherheit kaum aushältst.


In diesem Moment reagierst du nicht nur auf das, was tatsächlich passiert. Du reagierst auch auf das, was du befürchtest. Und das kann unglaublich anstrengend sein. Denn während du versuchst, dich vor einem möglichen Schmerz zu schützen, erlebst du einen Teil dieses Schmerzes bereits jetzt. Du bist noch gar nicht verlassen worden. Aber du fühlst dich schon so, als könnte es jederzeit passieren.


Du hast noch gar keine Ablehnung erfahren. Aber du hältst dich vorsichtshalber zurück.

Du hast noch gar nicht ausprobiert, ob du etwas kannst. Aber du hast dir bereits ausgemalt, warum es vermutlich nicht funktionieren wird.


Manchmal ist es, als würden wir uns vorsorglich ein Pflaster auf eine Wunde kleben, die noch gar nicht da ist.


Was hat das alles mit Mut zu tun?

Mut bedeutet für mich nicht, keine Angst mehr zu haben. Und es bedeutet auch nicht, jede Angst einfach zu ignorieren und kopflos ins nächste Abenteuer zu springen.

Mut bedeutet für mich, genauer hinzuschauen.


Ist da gerade eine konkrete Gefahr, vor der ich mich schützen sollte? Oder versuche ich, mich vor einer Möglichkeit zu bewahren, die vielleicht niemals eintreten wird?

Natürlich lässt sich das nicht immer eindeutig unterscheiden. Manchmal gibt es gute Gründe, vorsichtig zu sein. Manchmal sind unsere Befürchtungen berechtigt, und manchmal braucht es Zeit, bis wir uns in einer Situation sicher genug fühlen.

Aber manchmal merken wir auch, dass wir uns vor allem deshalb zurückhalten, weil wir nicht wissen, wie etwas ausgehen wird.

Und genau dort kann Mut anfangen - mit einer kleinen Entscheidung, die uns ein Stück aus unserer gewohnten Komfortzone herausführt.


Vielleicht schreibst du die Nachricht, die du schon seit Tagen formulieren möchtest.

Vielleicht sagst du deiner Freundin ehrlich, dass dich etwas verletzt hat, statt so zu tun, als wäre alles in Ordnung.

Vielleicht sprichst du in deiner Beziehung aus, was du brauchst, obwohl du Angst hast, dass dein Gegenüber es nicht verstehen wird.

Vielleicht meldest du dich für etwas an, das dich interessiert, obwohl du noch nicht weißt, ob du gut genug bist. Oder du sagst einfach einmal Nein, ohne dich anschließend ausführlich dafür zu rechtfertigen.


Das sind keine großen Heldentaten. Aber es sind Erfahrungen, die etwas in dir verändern können.


Warum kleine mutige Schritte dein Selbstvertrauen stärken

Wir denken oft, dass wir erst selbstbewusster werden müssen, bevor wir etwas wagen können. Dass wir erst die Angst in den Griff bekommen müssen, bevor wir uns trauen dürfen.

Johanna Lange Verlustangstcoaching: Selbstbewusstsein

Aber häufig funktioniert es genau andersherum.

Wir werden nicht unbedingt mutig, indem wir lange darüber nachdenken, wie wir mutiger werden könnten. Wir sammeln Mut, indem wir Erfahrungen machen.

Wenn du etwas tust, vor dem du Angst hattest, und anschließend feststellst, dass du es geschafft hast, verändert das deinen Blick auf dich selbst.


Vielleicht war das Gespräch unangenehm. Vielleicht hat die andere Person anders reagiert, als du es dir gewünscht hast. Vielleicht hat etwas nicht funktioniert.

Und trotzdem hast du es ausgehalten.


Du hast erlebt, dass du eine schwierige Situation durchstehen kannst. Dass du dich zeigen kannst, auch wenn du nicht weißt, wie du ankommen wirst. Dass du Fehler machen darfst. Dass du eine Enttäuschung überleben kannst, ohne daran zu zerbrechen.

Und manchmal kommt noch etwas anderes dazu: Du stellst fest, dass die Situation längst nicht so schlimm war, wie du sie dir ausgemalt hattest.


Selbstvertrauen bedeutet dir selbst mehr zuzutrauen. Zu wissen, dass du mit dem umgehen kannst, was kommt, selbst wenn es anders läuft als geplant.

Genau deshalb müssen die Schritte auch gar nicht besonders groß sein. Wenn du schon lange Schwierigkeiten damit hast, deine Bedürfnisse auszusprechen, musst du nicht sofort ein großes, klärendes Gespräch führen. Vielleicht fängst du damit an, bei einer kleinen Entscheidung zu sagen, was du möchtest.

Wenn du dich kaum traust, auf neue Menschen zuzugehen, muss dein erster Schritt nicht sein, auf einer großen Veranstaltung allein auf fremde Menschen zuzugehen. Vielleicht beginnst du damit, jemanden anzulächeln oder ein kurzes Gespräch anzufangen.

Es geht nicht darum, dich zu überfordern. Es geht darum, dir Möglichkeiten zu schaffen, neue Erfahrungen zu machen.

Und vielleicht bemerkst du irgendwann, dass Dinge, die früher unglaublich viel Überwindung gekostet haben, mit der Zeit leichter werden.


Was passiert, wenn wir mutige Schritte gemeinsam gehen?

Das war für mich auch eine schöne Erfahrung an unserer Mutwoche.

Wenn wir uns mit anderen Menschen zusammentun, kann etwas entstehen, das es uns leichter macht, ins Handeln zu kommen. Wir teilen unsere Vorhaben. Wir erzählen einander, was uns Überwindung kostet. Wir überlegen gemeinsam, welcher Schritt realistisch ist, und verpflichten uns, ihn tatsächlich zu gehen.

Plötzlich ist aus einem Gedanken, den wir schon seit Monaten mit uns herumtragen, eine konkrete Aufgabe geworden. Und wir sind nicht mehr allein damit.

Die Gemeinschaft kann uns dabei auf verschiedene Weise unterstützen. Allein schon dadurch, dass wir merken, dass andere Menschen ähnliche Ängste haben. Dass wir nicht die Einzigen sind, die zweifeln, sich zurückhalten oder sich manchmal selbst im Weg stehen. Wir können uns gegenseitig ermutigen, Erfahrungen teilen und uns daran erinnern, dass es nicht darum geht, alles perfekt zu machen.

Und manchmal hilft es auch einfach, wenn jemand am nächsten Tag fragt: Na, hast du es gemacht?

Es stärkt uns, wenn wir uns selbst etwas vorgenommen haben und jemand anderes davon weiß. So wird aus einer vagen Absicht ein konkreter Schritt.

Eine Mut-Challenge kann deshalb eine schöne Möglichkeit sein, mehr Bewegung ins eigene Leben zu bringen. Gerade dann, wenn wir dazu neigen, Dinge lange zu überdenken, uns selbst zu hinterfragen und immer wieder einen Grund zu finden, warum wir lieber noch warten sollten.


Und was hat das mit deiner Verlustangst zu tun?

Vielleicht fragst du dich jetzt, was eine Mutwoche mit deiner Angst zu tun hat, deinen Partner zu verlieren.

Eine ganze Menge. Denn Verlustangst kann dazu führen, dass wir unser Verhalten immer stärker danach ausrichten, wie wir eine Beziehung sichern können.

Wir überlegen, was wir sagen dürfen und was lieber nicht. Wir passen uns an, um keinen Konflikt auszulösen. Wir stellen unsere Bedürfnisse zurück, weil wir Angst haben, zu anstrengend zu sein. Wir kontrollieren, fragen nach, suchen nach Zeichen und versuchen, uns möglichst gut gegen eine mögliche Trennung abzusichern.

Vielleicht merkst du irgendwann, dass du in deiner Beziehung kaum noch das tust, was sich für dich richtig anfühlt. Dass du viel Energie darauf verwendest, die Stimmung deines Partners einzuschätzen, seine Reaktionen vorherzusehen und alles zu vermeiden, was ihn verärgern oder auf Abstand bringen könnte.

Und vielleicht kennst du auch diese Angst, dass du etwas kaputtmachen könntest, wenn du ehrlich bist. Wenn du Nein sagst. Wenn du mehr Nähe brauchst oder eine Grenze setzt.

Dann kann Mut bedeuten, genau dort einen kleinen Schritt zu wagen.

Deine Meinung auszusprechen, obwohl du nicht weißt, ob dein Partner sie teilt.

Dein Bedürfnis nach Nähe zu benennen, ohne dich dafür zu schämen.

Eine Grenze zu setzen, auch wenn du befürchtest, dass dein Gegenüber enttäuscht sein könnte.


Das fühlt sich am Anfang vielleicht nicht besonders mutig an. Vielleicht fühlst du dich sogar egoistisch, unsicher oder schuldig.

Aber du übst etwas, das für eine sichere Beziehung zu dir selbst unglaublich wichtig ist: Du bleibst bei dir, auch wenn du nicht kontrollieren kannst, wie ein anderer Mensch reagiert.


Du musst diesen Weg nicht allein gehen

Verlustangst zeigt sich bei jedem Menschen anders. Deshalb ist auch Veränderung immer ein individueller Weg.

In meinem Coaching beziehe ich die gedankliche, emotionale und körperliche Ebene mit ein, denn nachhaltige Veränderung entsteht oft dann, wenn wir den ganzen Menschen betrachten.

Wenn du dir dabei Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne auf deinem Weg zu mehr innerer Sicherheit.


Johanna



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